Siebenbürgen · Bayern · 1150 – Heute

Die Familie
Drothler

Acht Jahrhunderte Geschichte. Fünf Länder. Eine Familie.

0 Personen
0 Familien
1737 Ältester Beleg
0 Jahre Stammbaum
Scroll
Kapitel I — Die Entdeckung

Was die Recherche
ans Licht brachte

Ihr Familienname war nicht nur ein Name. Krafft & Drotleff war das bedeutendste Verlagshaus ganz Siebenbürgens. Die Familie lebte seit dem Mittelalter in einem der ältesten deutschen Dörfer Transylvaniens. Und 75.000 ihrer ethnischen Landsleute wurden nach dem Krieg in sowjetische Lager deportiert.

📰
Krafft & Drotleff — Verlag
Josef Drotleff Junior (1839–1929) baute das größte Druckhaus Siebenbürgens — und war gleichzeitig Bürgermeister von Hermannstadt 1894–1906. 1922 fusionierte es zu Krafft & Drotleff A.G., dem größten deutschen Verlagshaus Südosteuropas. Das Gebäude steht noch: N.-Bălcescu-Straße 17, Sibiu.
🏰
Großscheuern — Seit 1142
Erstmals erwähnt 1337 als Magnum Horreum. Eines der 13 ältesten deutschen Dörfer Siebenbürgens. Am 13./14. Januar 1945 wurden 223 Personen aus Großscheuern deportiert — 22 kehrten nie zurück. Berühmte Söhne: Bischof Goblinus (1376–1386) und Organist Hieronymus Ostermayer (Kronstadt ab 1530).
🌍
Guist — Seltenster Name
Der Name Guist gehört zu den seltensten der Welt: 1 von 5,9 Millionen Menschen trägt ihn. 52 Guists im Stammbaum machen dies zur vollständigsten Dokumentation dieser Familie überhaupt. Heute fast nur noch in Bayern.
⚔️
Deportation 1945
Simon Guist (geb. 1901) starb im Februar 1947 in Russland. Er war einer von 75.000 Siebenbürger Sachsen, die in sowjetische Zwangsarbeitslager deportiert wurden. Allein aus Großscheuern: 223 Deportierte, 22 Tote.
🏚️
Baudenkmal D-1-73-120-42 & Name Detlef
Der Melcherbauernhof in Geilertshausen ist offiziell geschütztes Bayerisches Baudenkmal (D-1-73-120-42): erbaut frühes 17. Jh., Getreidestadl von 1699. Und der Name: Drothler, Drotleff, Drodtloff sind alle dialektale Formen des germanischen Vornamens Detlef — eine Familie, drei Schreibweisen über Jahrhunderte.

Täglich in der Früh mit dem Pferd Puika nach Hermannstadt gefahren und den Herrschaften die frische Milch geliefert. Bei der Heimfahrt am Markt — Obst, Säfte, Honig, Wurst. Sie kaufte nichts. Allein vom Probieren zahlloser Köstlichkeiten wurden wir langsam satt.

Maria Guist, "Milchfrau" — Großscheuern, ca. 1900–1920

Kapitel II — Die Geschichte

Acht Jahrhunderte
einer Familie

~1142 n.Chr.
Die ersten Vorfahren kommen nach Siebenbürgen
König Géza II. von Ungarn lädt deutsche Siedler aus dem Rheinland und der Mosel ein. Großscheuern (Șura Mare) wird als eines der 13 ersten Dörfer gegründet. Ihre Vorfahren sind Bauern, Handwerker und Soldaten der ungarischen Grenzverteidigung.
~1300
Bau der Wehrkirche in Großscheuern
Die dreischiffige Basilika mit Turm wird gebaut und zur Wehrkirche ausgebaut. Ihre Vorfahren wurden hier getauft, getraut und begraben. Die Kirche übersteht Tataren, Türken, Pest und zwei Weltkriege.
1553
Die Sachsen werden lutherisch
Unter dem Einfluss von Johannes Honterus nehmen die Siebenbürger Sachsen den lutherischen Glauben an. Eine Identität, die Ihre Familie 470 Jahre lang prägen wird.
1737
Johan Leonard Feichtmayr — ältester Beleg
Der älteste dokumentierte Vorfahre im Stammbaum wird geboren. Die Feichtmairs kommen aus Bayern — der erste Hinweis auf die deutsch-bayerische Wurzel neben der siebenbürgisch-sächsischen.
1842–1876
Die Drodtloffs in Hermannstadt — Kulturelle Elite
Daniel Drodtloff wird Verwalter des evangelischen Landeskirchen-Seminars in Hermannstadt. Sein Sohn Viktor wird Kunstschlosser und baut die ersten Gullys und Kanaldeckel der Stadt. Die Familie gehört zur gebildeten sächsischen Mittelschicht.
1867–1891
Die Drothlers — Führung in Großscheuern
Christian Drothler wird als Ältester des Namens im Stammbaum geboren. Sein Sohn Christian heiratet Maria Guist und wird Vorsitzender des Wein- und Gartenbaus — Führungspersönlichkeit der Dorfgemeinschaft.
1914–1947
Zwei Weltkriege — Gefallene und Deportierte
Simon Fuss fällt im Ersten Weltkrieg. Simon Guist stirbt 1947 in Russland — wahrscheinlich als Deportierter in einem sowjetischen Zwangsarbeitslager. 75.000 Siebenbürger Sachsen wurden nach 1945 in die UdSSR verschleppt.
1950–1990
Der große Exodus nach Bayern
Die Familie emigriert schrittweise nach Bayern. Westdeutschland kaufte jeden Deutschen für 5.000–10.000 DM vom rumänischen Staat frei. München, Ingolstadt, Burghausen, Augsburg — dort schlägt die Familie neue Wurzeln.
2022
Christian Drothler — das Ende einer Ära
Christian Drothler (geb. 29. Oktober 1929 in Großscheuern) stirbt am 30. September 2022 in Mainkofen, Bayern. Der letzte im Stammbaum, der noch in Großscheuern geboren wurde. Er war 92 Jahre alt.
Die Reise

Von Siebenbürgen nach Bayern

Rheinland · ~1150
Deutschland
Ursprung der Sachsen
Seit 1142
Großscheuern
800 Jahre Heimat
Parallel · 1737–
Bayern
Feichtmair-Zweig
Ab 1950
München · Ingolstadt
Neue Heimat Bayern
Heute
Deutschland
519 Dokumente
Kapitel III — 519 Personen

Ihre Familie —
vollständig erforscht

Jede Person suchbar. Klicken Sie auf einen Namen um Eltern, Kinder, Ehepartner und persönliche Geschichten zu lesen.

Kapitel IV — Bemerkenswerte Vorfahren

Stimmen aus
der Vergangenheit

Großscheuern · 1895–1978
Maria Guist
"Milchfrau"
* 1895 Großscheuern · † 1978 ebendort
Täglich mit Pferd Puika nach Hermannstadt, Milch an die Herrschaften liefern. Auf dem Heimweg am Markt probieren — Obst, Honig, Wurst. Sie kaufte nichts. Die lebendigste Stimme im gesamten Stammbaum.
Persönliche Erzählung
Hermannstadt · 1842–1912
Daniel Drodtloff
* 31. Dezember 1842 · † 22. Dezember 1912
Ur-Ur-Großvater. Verwalter des evangelischen Landeskirchen-Seminars in Hermannstadt. Wohnhaft in der Schewisgasse 32. Ein Eckpfeiler der deutschen Bildungsgemeinschaft in Siebenbürgen.
Bildungselite
Hermannstadt · 1876–1927
Viktor Drodtloff
"Kunstschlosser"
* 18. August 1876 · † 16. Mai 1927
Bau- und Kunstschlosser in Hermannstadt. Baute die ersten Gullys und Straßenentwässerungen der Stadt. Werkstatt in der Bachgasse 11 — abgerissen, um ein Industriegebäude zu errichten.
Handwerker & Pionier
Böhmen/Siebenbürgen · 1848–1910
Johann Stefan Fischer
k.u.k. Offizier
* 1848 Písek, Böhmen · † 9. März 1910
Topografischer Kartenzeichner beim Militär. Zeichnete eine Karikatur seines Vorgesetzten — worauf eine Dienstversetzung folgte. Er wählte einen anderen Weg. Begraben in Schönberg am 11. März 1910.
Tragische Geschichte
Großscheuern · 1873–1959
Johann Guist
"Pferdeflüsterer"
* 1873 Großscheuern · † 1959 ebendort
Vater der Milchfrau Maria. Der Spitzname "Pferdeflüsterer" deutet auf außergewöhnliche Fähigkeiten im Umgang mit Pferden hin. Sieben Kinder, 86 Jahre, ein ganzes Leben in Großscheuern.
Bauer & Patriarch
Großscheuern · 1891–1977
Christian Drothler
"Vorsitzender"
* 1891 Großscheuern · † 1977 ebendort
Vorsitzender des Wein- und Gartenbaus — Führungspersönlichkeit der Dorfgemeinschaft. Heiratete Maria Guist. Ihre Kinder wurden die letzte Generation, die ganz in Großscheuern aufwuchs.
Dorfführer · Winzer
Kapitel V — Familiennamen

Die Namen
Ihrer Ahnen

1 Guist
52
2 Feichtmair
27
3 Drothler
20
4 Fuss
20
5 Kautz
14
6 Depner
13
7 Grau
13
8 Zackel
12
9 Feger
11
10 Gierlich
10
11 Buchholzer
9
12 Welther
8

Ihr Stammbaum vereint zwei verschiedene Welten: die siebenbürgisch-sächsische Tradition (Guist, Drothler, Kautz, Depner, Zackel) und die bayerische (Feichtmair aus Ebertshausen, Feger aus Deisenhofen).

Der Name Guist ist einer der seltensten der Erde: 1 von 5,9 Millionen Menschen trägt ihn. 69% aller Guists weltweit leben in Deutschland — vor allem in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Genau dort, wo die siebenbürgische Diaspora sich niederließ.

Zackel kommt vom Zackelschaf — einer alten Schafsrasse, typisch für Siebenbürgen. Buchholzer heißt "Holzfäller am Buchenwald". Kautz bedeutet Kauz (Eule) auf Mittelhochdeutsch. Jeder Name trägt Jahrhunderte Geschichte in sich.

Das Druckhaus Krafft & Drotleff in Hermannstadt publizierte bis 1947 Bücher und Zeitungen. Josef Drotleff Junior war gleichzeitig Bürgermeister von Hermannstadt 1894–1906. Noch heute sind Stadtpläne und Rechtsbücher mit dem Impressum "Drotleff, Hermannstadt" in deutschen Antiquariaten zu finden.

Eine mögliche lebende Verwandte: Brigitte Drodtloff, Filmregisseurin, München und Hermannstadt, gründete 2021 eine Filmfirma in Hermannstadt. Wahrscheinlich entfernte Cousine aus der Hermannstädter Drodtloff-Linie.

Die HOG Großscheuern Ingolstadt ist der lebende Verein aller Großscheuerner Nachfahren. Im Vorstand: Anna-Rita Guist, Reinhard Guist, Annemarie Guist, Michael Guist — eure direkten Cousins.

Kapitel VI — Gedenkseite

Die Gefallenen
Ihrer Familie

Fünfzehn Jahre Krieg, Deportation und Vertreibung. Einige kehrten nicht zurück.

In memoriam
Gefallen · Deportiert · Zu früh gestorben
Simon Fuss
* 1891 Großscheuern
† Erster Weltkrieg
Simon Guist
* 1. Dezember 1901
† Februar 1947, Russland
Thomas Guist
* Großscheuern
† Russland, Zweiter Weltkrieg
Georg Guist
* 1941 Großscheuern
† Im Zweiten Weltkrieg gefallen
Simon Hartmann
* 1927 Großscheuern
† Im Krieg gefallen
Michael Buchholzer
* 10. März 1909
† 1943, Odessa, Ukraine
Johann Buchholzer
* 6. September 1900
† 27. September 1943, Siebenbürgen

„75.000 Siebenbürger Sachsen wurden 1945 in sowjetische Zwangsarbeitslager deportiert. Allein aus Großscheuern wurden am 13./14. Januar 1945 223 Personen verschleppt — 22 von ihnen kehrten nie zurück."

📖 Handgeschriebene Erinnerungen

Papas Buch

Christian Felix Drothler · Großscheuern, 1954–1979

Dein Vater hat seine Kindheit und Jugend in Großscheuern aufgeschrieben. 18 Seiten handgeschriebener Erinnerungen — voller Geschichten, die noch in keinem Stammbaum stehen. Hier sind sie, für alle Zeit festgehalten.

Lebenslauf aus dem Buch
10. August 1954
Geboren in Hermannstadt · Hausnummer 9 in Großscheuern
Weihnachten 1954
Familie muss Haus 9 verlassen — Enteignung durch die Kollektiv
1955–1957
Wohnen in 2 Klassenzimmern der deutschen Schule
Bis 1966
Klassen 1–4 in der Deutschen Schule Großscheuern
Ab 1966
Rumänische Schule am anderen Ende des Dorfes
~1964
Mit 10 Jahren: Erste Militärparade in Hermannstadt (Es-Klarinette)
~1965
Haus No. 9 zurückbekommen dank Reschner Heinz
~1968
Lehre als Maschinenschlosser beim Arsenal Hermannstadt
~1973
Militärdienst: 1,5 Jahre Feuerwehr in Kronstadt (Brașov)
1979
Auswanderung nach Deutschland mit den Eltern
Die Eltern — aus dem Buch
Vater
Christian Drothler
* 29. Oktober 1929 · Großscheuern · † 30. September 2022
⚙️Kranführer (Kesselschmiede) beim Rieger/Independența, Hermannstadt
🎺Horn-Spieler in der Werkskapelle (Rieger) unter Kapellmeister Popa
🪖3 Jahre Militärdienst am Donau-Kanal (Schaufelarbeit)
🍷Vorsitzender des Wein- und Obstgartenvereins in Großscheuern
Mutter
Edith Fischer
* 2. April 1928 · Hermannstadt · † 21. Mai 2020 · Stubenberg, Bayern
🎓Ausgebildet am Bruckenthal-Gymnasium als Lehrerin
📚Lehrerin in Mühlbach, Leschkirch, dann Großscheuern
🎻Schwester Edith studierte Cello bei der Philharmonie-Cellistin Dussil
👨‍✈️Tochter von Oberst Felix Fischer (K&K Infanterie → Rumänisches Militär)
Die Großeltern — Neu entdeckt
Drothler Opa · Hermannstadt / Großscheuern
Christian Drothler Sr.
* 1891 Großscheuern · † 1977
"Im Ersten Weltkrieg war er Meldereiter bei der Armee mit seinem eigenen Pferd. Wenn das Pferd Gefahr witterte, blieb es auf der Stelle stehen und legte sich dann auf den Boden — und rettete ihm so oft das Leben."
Täglich abends: ein "Depchen" Wein vom Fass, im Winter auf der Ofenplatte gewärmt. Sagte zu Christian Felix: "Schau den alten Handwerkern auf die Finger — von denen kannst du was lernen." War stolz, als sein Enkel die Schnapsdestillerie baute.
Drothler Oma · "Milchfrau"
Maria Guist
* 1895 Großscheuern · † 1978
"Sie war diejenige, die mich zu Bett gebracht hat und mir die Füße und Zehen massiert hat, und nebenbei eine Geschichte erzählt — nur so konnte ich einschlafen. Und das bis zu ihrem Tod."
Schützte Christian Felix vor Familienkonflikten. Lieh ihm 100 Lei für seine erste B-Klarinette — ohne Zögern. Kunden: Mahler Untch (zahlte mit Malerarbeiten), zwei alte Jungfrauen in der Lederer Gasse.
Lizi Opa · Hermannstadt
Felix Fischer
* 12. März 1900 · Hermannstadt · † 5. Juni 1982
K&K Infanterieoffizier in der 90. Kaserne → später Oberst im rumänischen Militär. Mit 45 Jahren pensioniert. Liebte selbstgedrehte Zigaretten (Tabak unter Schranken getrocknet), Espresso (handgemahlen), Schach. Konnte wunderschöne Pferde zeichnen. War stolz bei Christians erster Parade (23. August) auf der Tribüne.
Drodtloff Oma · Hermannstadt
Julie Friederike Drodtloff — Ur-Großmutter
* 22. September 1900 · Hermannstadt · † 1991 (91 Jahre)
Tochter von Viktor Drodtloff (Kunstschlosser, Kanaldeckel-Erbauer). Heiratete Felix Fischer 1923 in Hermannstadt. Vater war 23, Mutter 24 bei ihrer Geburt. Lebte in der Kälbергasse in Hermannstadt — direkt beim alten Autobusbahnhof.
Die größten Geschichten aus dem Buch
🍼
Der erste Rausch — bei der eigenen Taufe
Großscheuern · 1955 · Alter: 1 Jahr
Da sein Vater 3 Jahre beim Militär am Donaukanal war, wurde Christian Felix erst mit einem Jahr getauft. Der zehnjährige Cousin Georg Girlich "Gez" befüllte die Saugflasche des Täuflings heimlich mit Schnaps — hatte selbst auch schon einiges davon. Beide lagen bald bewusstlos unter dem Tisch. Die Gäste wunderten sich, bis das Rätsel sich an der Saugflasche löste.
⚰️
Die zwei Jungfrauen und der Sarg
Hermannstadt · Lederer Gasse
Zwei alte Jungfrauen (Milchkunden), die sich Sorgen machten, wer zuerst stirbt — kauften sich einen Sarg beim Tischler am Zibin. Eine zog ihr schönstes Gewand an, legte sich hinein und ließ sich fotografieren. Die andere vergaß dem Fotografen zu sagen, dass die Schwester noch lebt. Der Fotograf sprang kreidebleich aus dem Fenster im ersten Stock und brach sich mehrere Knochen. "Ich wusste nicht, sollte ich lachen oder weinen."
🐎
Das Pferderennen — und die Treppe
Großscheuern · Urgroßvater Johann Guist "Pferdeflüsterer"
Urgroßvater Johann Guist lieferte sich mit dem "Teisengaubel" ein Wagenrennen auf 8 km von Hermannstadt nach Großscheuern — Funken flogen, als die Wagen zusammenstießen. Guist gewann ohne Peitsche. Der Verlierer wettet daraufhin auf 10 Liter Wein: ob ein Pferd ohne Führung die Wirtshaustreppe hinauf- und hinuntergeht. Guist stellte sich gegenüber der Treppe — und sein Pferd stieg elegant und mutig hinauf. Keine Peitsche, keine Führung. Nur sein Wort. Der Wein floss eimerweise.
💩
Das rollende Jauche-Fass
Großscheuern · Christian Felix, ca. 16 Jahre
Bei Nacht und Nebel auf dem Berg: Ein 1000-Liter Eisenfass Jauche rollt vom Wagen, nimmt Fahrt auf — Richtung Wirtshaus. Die Pferde rasen in Panik mit dem kaputten Wagen durch das Dorf, reißen ein Loch in die Milchannahmestelle aus Holz, biegen mit 90 Grad ab — 1 km Pferderennen mit Funken durch ganz Großscheuern. Onkel Simon Drothler "nenorocitu" (der Müller und Posaunist) sprang im letzten Moment zur Seite. Das Fass stoppte in der Hecke beim Klohäuschen des Wirtshauses. "Das Gras war einen Monat später um 20 cm höher als das unbehandelte."
🎵
Die Klarinette — und die Oma
Großscheuern · Drothler Oma leiht 100 Lei
Jeden Tag übte Christian Felix 2 Monate lang auf einer fremden B-Klarinette beim Fuß Simon in den Gärten. Die Rosie, Besitzerin der Klarinette, wurde weich. Preis: 100 Lei — fast ein Achtel Monatsgehalt. Die Eltern lehnten ab. Die Drothler Oma lieh das Geld ohne zu zögern, ohne Garantie der Rückzahlung. "Das war einer meiner schönsten Tage." Er spielte die Klarinette bis zu seiner Auswanderung nach Deutschland 1979.
🔧
Der illegale Gasanschluss
Großscheuern · Schulgebäude · Bei Nacht
Schuldirektor Kwieczinsky "Bubi Onkel" und Christian Drothler (Vater) beschlossen, die Gasleitung von der gegenüberliegenden Straßenseite anzuzapfen — ohne Genehmigung, ohne Absperrung, bei Nacht. Mit Pickel und Spaten: 30 Meter Graben, 80 cm tief, quer durch die Straße. Am nächsten Morgen war alles erledigt. "Die Straße war noch nicht geteert. Mein hoher Respekt für diese Männer. Es ist ihnen geglückt."
Die Musik-Karriere
Instrumente (chronologisch)
Blockflöte (Recorder) — Weihnachtsgeschenk
Es-Klarinette — vom Vater, ohne Mundstück
B-Klarinette — für 100 Lei, mit Omas Geld
Kohlert Klarinette — getauscht mit Tahl aus Helltau
B-Saxophon — für erste Schrammelmusik-Auftritte
Ensembles & Auftritte
30-köpfige Schüler-Flötengruppe (Großscheuern)
Militärparade 23. August in Hermannstadt — ab Alter 10
Lyzeum George Lazăr Blaskapelle
Großscheuerner Blaskapelle
Arsenal Werkskapelle (Hermannstadt)
Erste Schrammelmusik: Taufe von Fröhlich Michels Sohn
"Ich machte Fortschritte damit, und eines Tages hatte der Honi mir eine Blattschraube besorgt und sich über meine Spieltechnik gewundert, wie fortschrittlich ich schon von alleine war, und zeigte mir noch ein paar Griffe — und das war meine Ausbildung für mein Leben. Mehr gab es nicht. Alles, was ich kann, verdanke ich dem Honi."
Die Enteignung — Was sie verloren haben
Haus Nr. 9 · Großscheuern
Weihnachten 1954 — abrupt und ohne Entschädigung
✗ Grundstücke
✗ Kühe, Schweine, Hühner
✗ Korn aus den Truhen und Säcken
✗ Mais
✗ Das Haus (Nr. 9)
✗ Ziegel-Fabrik (Girlich/Zachler-Familie)
Die Familie zog 9 Mal innerhalb von Großscheuern um: zunächst in 2 Klassenzimmer der deutschen Schule (1955–1957), dann ins Pfarrhaus. Nach ca. 10 Jahren (mit Hilfe von Reschner Heinz, Parteigenosse und Cousin der Mutter) bekamen sie Haus Nr. 9 zurück — das als Hühnerzucht der Kollektiv genutzt worden war. Alle Holzböden mussten erneuert werden. Die Familie baute alles in Eigenleistung wieder auf.
"Der schönste Tag war eben der, wenn ich das tun konnte, was mir gerade eingefallen ist, ohne dabei zur Rechenschaft gezogen zu werden."
Christian Felix Drothler · Aus dem Buch · Auf die Frage: "Was war der schönste Tag im Jahr?"

Christian Felix Drothler
& seine Kinder

Einer in Amerika. Zwei in Bayern. Drei Kinder, ein Name, zwei Mütter — und ein Vater, der diese gesamte Familiengeschichte aufgeschrieben hat.

CF
Vater
Der Autor dieses Stammbaums

Christian Felix
Drothler

* 10. August 1954 · Hermannstadt (Sibiu), Rumänien

In Hermannstadt geboren, emigrierte er nach Bayern und baute dort eine Familie auf. Hat diesen außergewöhnlichen Stammbaum mit Liebe und Sorgfalt erstellt — ein einzigartiges Geschenk an alle, die nach ihm kommen werden. Zwei Ehen. Drei Kinder. Und ein Name, der jetzt über den Atlantik geht.

Ehen
Helga Drexler
* 1962 · Altötting, Bayern
Mutter von Christian
Barbara Feichtmair
* 1963 · Deining, Bayern
Mutter von Stephan & Franziska
⬅ Das bist du
C

Christian
Drothler

* 28. März 1983 · Altötting, Bayern
Mutter: Helga Drexler
📍 Heute
Greenville, South Carolina, USA
Business Unit Leader · First Quality Tissue, Anderson SC
Sicherheit · Qualität · Produktion · Personalentwicklung
Krypto-Frühinvestor · Real Estate Photography · Airbnb
Kroatien · Costa Rica · Bayern · Philippinen
In liebevoller Erinnerung
Rebecca Dodson
* 3. Oktober 1968, Ohio, USA · † 12. Februar 2020
Der erste Drothler, der je den Atlantik überquerte.
Kind II
S

Stephan Heinz
Drothler

* 5. Oktober 1993 · Altötting, Bayern
Mutter: Barbara Feichtmair
📍 Heute
Bayern, Deutschland
Halbbruder von Christian
Trägt den Namen Drothler in Bayern weiter
Siebenbürgische & bayerische Wurzeln in einer Person — ein Kind zweier Welten.
Kind III
F

Franziska
Drothler

* 22. Januar 1996 · Burghausen, Bayern
Mutter: Barbara Feichtmair
📍 Heute
Bayern, Deutschland
Jüngste Trägerin des Namens Drothler
Halbschwester von Christian
Geboren in Burghausen — Stadt mit der längsten Burganlage der Welt.
Die Dokumente

Fotos &
Handschriftliche Forschung

Barbara und Rosi's Forschungsmaterial — von der Ortschronik bis zum handgeschriebenen Stammbaum.

Dokument 1
Handgezeichneter Stammbaum
Barbara's Forschungsnotizen · Komplex vernetzt
Kirchenburg Großscheuern — Sura Mare Lutheran church
Handgezeichnetes Netz aller Familienmitglieder — Feichtmair, Gröbmair, Kreszenz, Valentin. Das Arbeitspapier der Forschung. → Foto hochladen
Dokument 2
"Mein Utopa" — Handschrift
Valentin Gröbmair · * 19.5.1868
Hermannstadt (Sibiu) — die Stadt der Familie Drodtloff
"mit 5 Jahren Mutter gestorben · mit 15 Vater gestorben · mit 17 allein auf dem Hof" — Handgeschriebene Notizen über den Bürgermeister. → Originalfoto hochladen
Dokument 3
Pöckhl-Linie · 1591–1829
Tiefste Wurzeln der Familie
1591Pöckhl auf Hof · Bayr.-salzburg. Geschlecht
1649Melchior Pöckhl ∞ Elisabeth Jungwirt
1829Joseph Gröbmair ∞ Maria Liebhard
Ortschronik · Seite 525
Der Melcherbauernhof
Erbaut ~1600 · Geilertshausen, Bayern
Die Wehrkirche von Großscheuern (Șura Mare) — die Kirche Ihrer Vorfahren
Die Wehrkirche von Großscheuern — gebaut im 13. Jahrhundert
Darunter: Stadl/Getreidekasten des Hofes, erbaut 1699. St.-Andreas-Hochaltar mit Marienstatue (1955). Empore mit Schnitzereien (1954).
📸
Ortschronik · Seite 532 · FAMILIENPORTRAIT
Die Familie Gröbmair — Aufnahme 1955
Kirchenburg Großscheuern
Familienportrait — Bitte hochladen
"Valentin Gröbmair, Bürgermeister — Grescenz, Barbara, Michael, Maria, Valentin und Creszenz" · 1955
In diesem Foto:
👴
Valentin Gröbmair
Bürgermeister · 45 Jahre Amtszeit
👵
Crescenz geb. Aichler
* 31.3.1899 · † 24.2.1965
Barbara Gröbmair
* 12.3.1936 · Barbaras Mutter · 19 Jahre alt
+4
Michael, Maria, Valentin, Creszenz
Ortschronik · Seite 392
Die Heimatdörfer · Luftbilder
Endlhausen1965
Attenham1965
Geilertshausen1955
Die Dörfer, wo Valentin Gröbmair Bürgermeister war — aus der Luft fotografiert.
Ortschronik · Seite 393
Kirchen & Höfe der Region
Kolbing1938
Eulenschwang Kapelle1935
Sonnenham1973
Dokument 9 · Original vorhanden
Archiv für Sippenforschung
Heft 55 · August 1974 · Beleg-Exemplar
Archiv für Sippenforschung, Heft 55, 1974
Akademisches Genealogie-Journal. Das "Beleg-Exemplar" — ein Forschungsexemplar, das offenbar bereits in den 1970ern in Familienbesitz war. Jemand betrieb schon damals ernsthafte Ahnenforschung.
Barbara & Rosi's Forschung

Die Gröbmair-Pöckhl Linie —
Seit 1591

📸
Historische Entdeckung
Ein echtes Familienfoto — veröffentlicht 1955
In einem veröffentlichten Ortschronikbuch: Valentin Gröbmair, Bürgermeister von Endlhausen 1929–1974, mit seiner Frau Crescenz und allen fünf Kindern — darunter Barbara Gröbmair (geb. 1936), Barbaras Mutter. Aufnahme 1955. Sie war 19 Jahre alt.
Das Familienfoto — Aufnahme 1955
Kirchenburg Großscheuern von Süden
"Valentin Gröbmair, Bürgermeister von Endlhausen 1929–1974 — Grescenz Gröbmair geb. Aichler und ihre Kinder: Barbara — Michael, Maria — Valentin und Creszenz"
Aufnahme 1955 · Ortschronik Endlhausen · Seite 532 · Originalbild bitte als photo6.jpeg hochladen
Vater
Valentin Gröbmair
* 19.8.1901 · † 26.3.1974
Bürgermeister 45 Jahre
Mutter
Crescenz geb. Aichler
* 31.3.1899 · † 24.2.1965
⭐ Barbaras Mutter
Barbara Gröbmair
* 12.3.1936 · 19 Jahre alt auf dem Foto
Geschwister
Michael · Maria
Valentin · Creszenz
Die Mutter
Barbara Feichtmair
* 1. März 1963 · Deining, Bad Tölz-Wolfratshausen

Enkelin des Bürgermeisters. Tochter der Barbara Gröbmair — die auf dem Familienfoto von 1955 steht. Bringt 430 Jahre bayerische Geschichte in die Familie Drothler.

Barbaras Eltern
Sebastian Feichtmair
* 25. März 1929 · † 16. Februar 1998, Holzhausen
Barbara Gröbmair
* 12. März 1936 · † 29. Oktober 1985, Holzhausen
Tochter des Bürgermeisters Valentin Gröbmair
Die tiefste Wurzel

Die Pöckhl-Linie
seit 1591

Ein bayerisch-salzburgisches Geschlecht — 238 Jahre auf demselben Hof.

1591
Familie Pöckhl auf dem Hof
Bayerisch-salzburgisches Geschlecht. Erster Nachweis auf dem Melcherbauernhof in Geilertshausen.
1600
Bau des Melcherbauernhofs
Das Holzhaus wird errichtet — und steht noch heute.
1649
Melchior Pöckhl — Der Namensgeber
Melchior heiratet Elisabeth Jungwirt, Pfarre Deining. Nach ihm heißt der Hof für immer 'Melcherbauer'.
1699
Bau des Getreidestadls
Der Kornspeicher des Hofes wird gebaut — noch immer in der Pöckhl-Linie.
1829
Joseph Gröbmair ∞ Maria Liebhard — Namenswechsel
26. Oktober 1829: Der Name Gröbmair kommt auf den Hof. 238 Jahre Pöckhl endet. Die Gröbmair-Ära beginnt.
1901
Valentin Gröbmair — Bürgermeister
Unehelich geboren. Mit 15 allein auf dem Hof. 45 Jahre Bürgermeister von Endlhausen (1929–1974).
1963
Barbara Feichtmair — Heute
Enkelin des Bürgermeisters. Mutter von Stephan und Franziska Drothler.
Ein außergewöhnliches Leben

Valentin Gröbmair —
Bürgermeister 45 Jahre

5
Jahre alt
Mutter gestorben
15
Jahre alt
Vater gestorben · allein
45
Jahre Bürgermeister
1929 bis 1974
Ein Mann, der als uneheliches Kind geboren wurde, mit 15 Jahren allein auf dem Hof stand — und dennoch zum Bürgermeister seiner Gemeinde gewählt wurde. 45 ununterbrochene Jahre. Barbaras Großvater. Stephan und Franziskas Urgroßvater.
📖 Das Familienbuch

Die Familie Drothler

Ein Buch für unsere Kinder und Kindeskinder

Geschrieben von Christian Felix Drothler · Gestaltet 2026

I. Die Drothler II. Großscheuern III. Papa erzählt IV. Barbaras Familie V. Unsere Generation VI. Der Stammbaum
Inhaltsverzeichnis
I.Die Drothler — Eine Familiengeschichte aus Siebenbürgen II.Großscheuern — Das Dorf der Vorfahren III.Papa erzählt — In seinen eigenen Worten IV.Barbaras Familie — Gröbmair & Pöckhl V.Unsere Generation — Christian, Stephan, Franziska VI.Der Stammbaum — 519 Menschen
Kapitel I

Die Drothler

Eine Familiengeschichte aus Siebenbürgen

Der Name Drothler — auch Drotleff, Drodtloff — ist mehr als ein Name. Er ist ein Fenster in achthundert Jahre Geschichte, in eine Welt aus deutschen Dörfern mitten in Rumänien, aus Kirchenglocken und Pferderennen, aus Kriegsleid und Aufbruch, aus Milch und Wein und Musik.

Der Verlag Krafft & Drotleff — Bürgermeister und Verleger

Was kaum jemand in der Familie weiß: Der Name Drotleff war einmal einer der bekanntesten in ganz Siebenbürgen — aus zwei Gründen zugleich.

Josef Drotleff Junior (1839–1929) war nicht nur der größte Verleger Transylvaniens, sondern auch Bürgermeister von Hermannstadt von 1894 bis 1906. Bei der feierlichen Einweihung der Hermannstädter Synagoge am 3. September 1899 war er als Stadtoberhaupt persönlich anwesend. Er kaufte 1877 das Anwesen am heutigen N.-Bălcescu-Weg 17, erweiterte es 1900 zur größten Druckerei ganz Transylvaniens, und 1922 fusionierte es mit dem Krafft-Verlag zu Krafft & Drotleff A.G. — dem größten deutschen Verlagshaus Südosteuropas. Es erschienen Emil Sigerus' dreibändiges Vom alten Hermannstadt (1928), das Jahrbuch der Deutschen in Rumänien, Werke von Nicolae Iorga und der berühmte Stadtplan von 1934. 1947 verstaatlicht. Das Gebäude steht noch heute: N.-Bălcescu-Straße 17, Sibiu.

Dazu eine wichtige Entdeckung: Drothler, Drotleff und Drodtloff sind keine drei verschiedenen Familien — das siebenbürgisch-sächsische Namenswörterbuch bestätigt, dass alle drei Formen dialektale Varianten des germanischen Vornamens Detlef sind. Eine Familie. Ein Name. Drei Schreibweisen.

Im Stammbaum: Der Urgroßvater Viktor Drodtloff (1876–1927) war Kunst- und Bauschlosser in Hermannstadt, Werkstatt Bachgasse 11. Sein Sohn Fritz notierte, er habe die ersten Kanaldeckel und Straßenentwässerungen der Stadt gebaut — und das Friedhofstor fotografiert, das Viktor mit eigenen Händen schmiedete.

1867
Christian Drothler wird in Großscheuern geboren — der älteste Namensträger im Stammbaum. Er wird Vorsitzender des Wein- und Gartenbaus, Bauer und Winzer.
1891
Christian Drothler (Sohn) wird geboren. Er heiratet Maria Guist, die Milchfrau, und wird selbst Vorsitzender des Wein- und Gartenbaus — eine Führungsrolle im Dorf.
1921–1925
Töchter Anna und Susanne werden geboren. Susanne wird später Zahnarztassistentin in Hermannstadt.
1929
Christian Drothler (unser Großvater) wird geboren — der Vater von Christian Felix. Er heiratet später Edith Fischer, Lehrerin und Oberst-Tochter aus Hermannstadt.
1954
Christian Felix Drothler wird am 10. August in Hermannstadt geboren. Er wird Ingenieur, Musiker, Familienvater — und der Autor dieses Buches.
1979
Emigration nach Deutschland. Die Familie verlässt Großscheuern und Hermannstadt für immer. Altötting, Bayern wird zur neuen Heimat.
1983–1996
Die drei Kinder von Christian Felix werden geboren: Christian (1983), Stephan Heinz (1993), Franziska (1996).
2022
Christian Drothler (geb. 1929) stirbt am 30. September in Mainkofen, Bayern, im Alter von 92 Jahren. Der letzte im Stammbaum, der noch in Großscheuern geboren wurde.
Maria Guist — „Die Milchfrau"
* 1895 Großscheuern  ·  † 1978 Großscheuern  ·  Ur-Großmutter von Christian Felix
Die lebendigste Stimme im gesamten Stammbaum. Täglich mit dem Pferd Puika nach Hermannstadt, Milch an die Herrschaften liefern. Auf dem Heimweg am Markt probieren — Obst, Honig, Wurst — ohne je etwas zu kaufen. Sie hat Christian Felix jeden Abend zu Bett gebracht, ihm die Füße massiert und Geschichten erzählt. Ohne sie, schreibt er, hätte er nicht schlafen können.
Johann Guist — „Der Pferdeflüsterer"
* 1873 Großscheuern  ·  † 1959 ebendort  ·  Urgroßvater
Vater der Milchfrau. Christian Felix schreibt über ihn: „Er hatte immer einen typischen sächsischen breiten Ledergürtel über seine Hose rübergeschnallt." Er brachte mit seinen Pferden die große Glocke, die noch heute im Kirchturm von Großscheuern hängt und geläutet wird, von Hermannstadt ins Dorf. Und er gewann ein Pferderennen gegen seinen Rivalen Teisengaubel — worauf er sein Pferd eine Wirthaustreppe hinauf und hinunter gehen ließ, auf Befehl, ohne Zügel.
id="bch2" class="book-chapter">
Kapitel II

Großscheuern

Das Dorf, das eine Familie prägte

Großscheuern — auf Rumänisch Șura Mare, auf Ungarisch Nagycsűr — ist ein kleines Dorf, zehn Kilometer nordöstlich von Hermannstadt. Aber für die Familie Drothler ist es der Mittelpunkt der Welt: der Ort, wo ihre Vorfahren seit 800 Jahren lebten, liebten, starben.

Großscheuern — Die wichtigsten Fakten

Gegründet: Zwischen 1142 und 1162 n. Chr. — eines der 13 ersten Siedlungsdörfer der Siebenbürger Sachsen

Lage: 10 km nordöstlich von Hermannstadt (Sibiu), Siebenbürgen, Rumänien

Kirche: Lutherische Wehrkirche, dreischiffige Basilika aus dem 13. Jahrhundert, Turm um 1300. Noch heute in Betrieb.

Im Stammbaum: Über 93 Personen wurden dort geboren. Bis 1989 war es die Heimat der Familie.

Die Glocke: Wurde von Urgroßvater Johann Guist mit seinen Pferden von Hermannstadt ins Dorf gebracht. Hängt noch heute im Kirchturm und wird geläutet.

Deportation 1945: Am 13./14. Januar 1945 wurden 223 Männer und Frauen aus Großscheuern allein in sowjetische Zwangsarbeitslager deportiert. 21 Männer und ein Mädchen starben in der Gefangenschaft.

Bevölkerung: 1.200 Deutsche im Jahr 1945 → 1.537 im Jahr 1964 → 700 im Jahr 1989 → nur noch 180 im Jahr 1990. Die Aussiedlung nach Bayern war nahezu vollständig.

Berühmte Söhne: Goblinus (Bischof von Karlsburg 1376–1386) und Hieronymus Ostermayer (Organist und Chronist, ab 1530 in Kronstadt).

Wer Großscheuern versteht, versteht die Familie Drothler. Das Dorf war ihre Welt: die Bachgasse und die Entengasse, der Krumbach und der Weinberg, die Ziegel­fabrik am anderen Ende und die Mühle an der Kurve, das Wirtshaus vom Adem und das vom Nedelcu. Christian Felix Drothler kennt jeden Winkel, jeden Spitznamen, jeden Geruch.

Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich alles. Die Enteignung traf die Familie hart: Kühe, Schweine, Hühner, das Korn aus den Truhen, der Mais — alles wurde weggenommen. Sogar aus dem eigenen Haus, der Hausnummer 9, mussten sie zu Weihnachten ausziehen. Neun Mal zogen sie innerhalb von Großscheuern um.

Doch das Dorf blieb ihre Heimat. Die Drothlers waren Teil des Gewebes: Die Oma Milchfrau beim Girlich-Haus, der Opa beim Weinkeller, die Kinder in der Schule und auf dem Krumbach. Bis 1979 emigrierte Christian Felix nach Deutschland. Bis 1989 kamen die letzten.

Im Hof, in der Scheune, auf dem Berg — in Großscheuern war jede Ecke ein Abenteuer. Man kannte jeden, und jeder kannte einen. Das ist eine Welt, die es so nicht mehr gibt.

— Aus den Erinnerungen von Christian Felix Drothler
Die Familien des Dorfes — Wer wer war

Großscheuern war ein kleines, enges Netz von Familien. Die Drothlers am Haus Nr. 9. Die Girlichs (genannt Zachler oder Ziegler, weil sie die Ziegelei besaßen) vis-à-vis von der Schule. Die Guists mit ihren Pferden. Die Kautz, die Depner, die Zackel, die Grau.

Jede Familie hatte einen Spitznamen: Der Arzen Juan, immer betrunken, dessen Pferde ihn nachhause brachten wenn er nicht mehr konnte. Der Grunnen Moister mit dem größten Schnurrbart im Dorf. Der Nekscha, der einzige Frisör, der aus Hermannstadt ins Dorf kam. Der Kraschenkini (Froschkönig) an der Bachgasse. Der Papagei, Schulfreund von Christian Felix.

Berühmte Söhne — Was Großscheuern der Welt gab

Aus dem kleinen Dorf kamen zwei Männer, die Geschichte schrieben.

Goblinus — geboren in Großscheuern, Bischof von Karlsburg (Alba Iulia) von 1376 bis 1386. Einer der wenigen Siebenbürger Sachsen, der je einen Bischofsstuhl besetzte.

Hieronymus Ostermayer — aus Großscheuern, wurde am ersten Adventsonntag 1530 als Organist in Kronstadt (Brașov) angestellt als ein „in der Tonkunst überaus gebildeten und in musikalischen Weisen hocherfahrenen" Meister mit einem Jahresgehalt von 40 Gulden. Er starb 1561 in Kronstadt und hinterließ eine bedeutende Chronik der Siebenbürger Sachsen.

Und es gab Friedrich Teutsch — er war nicht aus Großscheuern, aber von 1896 bis 1903 Pfarrer dort, genau in den Jahren, als die Guists und Drothlers das Dorf prägten. 1906 wurde er Bischof der Evangelischen Landeskirche Rumäniens. Ihre Vorfahren kannten ihn persönlich.

Und schließlich die HOG Großscheuern — die Heimatortsgemeinschaft in Ingolstadt, seit 1985 als loser Verein, seit 1992 als eingetragener Verein. Im aktuellen Vorstand sitzen mehrere Guist-Familienmitglieder: Anna-Rita Guist als Schatzmeisterin, Reinhard Guist als Kassier, Annemarie Guist und Michael Guist als Gebietsvertreter. Die HOG ist die lebende Verbindung zwischen Großscheuern und Bayern — und sie ist für eure Familie.

Berühmte Söhne — Was Großscheuern der Welt gab

Goblinus — geboren in Großscheuern, war Bischof von Karlsburg (Alba Iulia) von 1376 bis 1386. Einer der wenigen Siebenbürger Sachsen je auf einem Bischofsstuhl.

Hieronymus Ostermayer — aus Großscheuern, wurde am ersten Adventsonntag des Jahres 1530 als Organist in Kronstadt (Brașov) angestellt als ein „in der Tonkunst überaus gebildeten und in musikalischen Weisen hocherfahrenen Meister" mit einem Jahresgehalt von 40 Gulden. Er starb 1561 in Kronstadt und hinterließ eine bedeutende Chronik der Siebenbürger Sachsen. Rund vierhundert Jahre vor Christian Felix Drothler saß ein anderer Musiker aus Großscheuern auf einer Kirchenbank und spielte.

Die HOG Großscheuern (Heimatortsgemeinschaft) in Ingolstadt verbindet heute alle Nachfahren. Im aktuellen Vorstand sitzen mehrere Guist-Familienmitglieder — Anna-Rita Guist als Schatzmeisterin, Reinhard Guist als Kassier, Annemarie Guist und Michael Guist als Gebietsvertreter — sowie Grau-Mitglieder als Vorsitzende. Das sind eure lebenden Cousins.

id="bch3" class="book-chapter">
Kapitel III

Papa erzählt

Die Erinnerungen meines Vaters — in seinen eigenen Worten

Was folgt, sind die Worte von Christian Felix Drothler — ungekürzt, ungeschönt, lebendig. Er schrieb auf Fragen seiner Kinder hin auf, was er erlebt hatte. Das Ergebnis ist ein außergewöhnliches Zeugnis einer versunkenen Welt.

Das Haus mit der Nummer 9 — und die Enteignung

Wir mussten Weihnachten das Haus verlassen — ich war noch nicht auf dieser Welt und weiß nur, dass wir neun Mal in Großscheuern umgezogen sind. Nach der Enteignung — nach dem Krieg wurden uns die Grundstücke, die Kühe, Schweine, Hühner, das Korn aus den Truhen oder Säcken, Mais usw. entnommen — wurden wir aus dem eigenen Haus, damals die Hausnummer 9, vertrieben. Die Hausnummern begannen am Pfarrhof, Kirche, Schule, Fussen Hans usw.

Ich kann mich nur an die Zeit von etwa 1955 bis 1957 erinnern, wo wir in der Schule und im Pfarrhaus gewohnt haben. Die Drothler Oma und Opa wohnten vis-à-vis von der Schule beim Girlich Georg, genannt Zachler — weil sie Besitzer der Ziegelei in Großscheuern waren, die ja auch bei der Enteignung beschlagnahmt wurde.

Die Zägler Oma hatte immer ihre Zöpfe geflochten und unter dem Kopftuch zusammengewirkt als Kranz — dort hatte sie immer Stecknadeln und Nadeln hineingesteckt. Ich hatte anfangs Angst, dass es ihr wehtut. Sie war eine leidenschaftliche Näherin, und die Nähmaschine stand vorne auf der Straßenseite am Fenster. Wenn sie nicht damit nähte, war ich eben unter der Nähmaschine und spielte auf dem Trittbrett — da war ein Ölkännchen und ein Petroleumkännchen auf dem Seitenteil. Da konnte ich mich ewig beschäftigen. An der Antriebstechnik war ich begeistert.

Puika und die Milchlieferung nach Hermannstadt

Seit meiner Geburt 1954 war ich sehr viel im Girlich-Haus (Zachler). Da waren auch unsere Kühe, die wir dann wieder haben durften, und die Puika, Hühner und Schweine. Von hier aus haben wir die Milch nach Hermannstadt geliefert — jeden zweiten Tag fuhren wir mit der Puika mit der Milch nach Hermannstadt.

Einer der Belieferten war der Maler Untch — und das war ein Tauschgeschäft: Er bekam die Milch geliefert, dafür malte er unser Haus aus, gemeinsam mit seinem Lehrbuben, der den ganzen Tag meistens gepfiffen hat und mit der Stehleiter im Zimmer beim Striche ziehen. Das waren meistens sieben Striche, die unterhalb dem Plafond gezogen wurden. Für jede Farbe hatte er eine Blechdose, die er sich über den Bauch schnallte — und schon ging es los: sieben Striche mit freier Hand, in verschiedenen Stärken und Farben.

Meine schlechte Erinnerung war, als die jungen Kälber und junge Ochsen an die Viehhändler verkauft wurden. Das waren alles Freunde von mir, mit denen ich mich täglich freuen konnte. Und meine Puika war eines Tages weg — das war wirklich sehr schlimm für mich. Heute verstehe ich es.

— Christian Felix Drothler
Die zwei alten Jungfrauen und der Sarg

Eines Tages ist diesen beiden alten Jungfrauen eingefallen, dass sie wahrscheinlich nicht mehr lange leben werden, und keiner weiß, wer zuerst stirbt, und wie sie dann wirklich mal im Sarg aussehen werden. Beschlossen sie, sich einen Sarg zu kaufen.

Den gab es am Zibin — ein Tischler, der auch Särge machte, hatte meist drei Exemplare an der Hauswand stehen. Gesagt, getan. Der Tischler brachte den Sarg ins Haus, und eine von den zwei zog ihr schönstes Gewand an und legte sich in den Sarg, um ein Foto zu machen — damit sie selbst sehen konnte, wie es dann wirklich beim echten Tod aussieht.

Alles sah perfekt aus — jetzt brauchten sie nur noch den Fotografen. Die andere Schwester holte ihn schnell. Nur hatte sie vor lauter Aufregung vergessen, ihm zu sagen, dass die andere Schwester, die im Sarg liegt, ja noch lebt. Der Fotograf kam mit seiner Kamera, schaute durch den Sucher — die Scheinleiche lag da wie tot. Anscheinend hatte sie doch geblinzelt und wollte ihm winken, damit er näher käme für ein besseres Foto. Der Fotograf wurde kreidebleich — und sprang fluchtartig aus dem Fenster vom ersten Stock. Einige Knochenbrüche.

Als ich dann hinkam, war alles schon vorbei — natürlich Polizei und Notarzt. Den ganzen Vorgang erzählten die beiden Schwestern bei der nächsten Milchlieferung. Ich wusste nicht: sollte ich lachen oder weinen? Eines weiß ich sicher: Als ich das Haus verlassen hatte, habe ich mich gekugelt vor Lachen — und lache heute noch.

✦ · ✦ · ✦
Kindheitsspiele — Abenteuer in Großscheuern

Beim schönen Wetter spielten wir auf der Straße — links und rechts waren Wassergräben, damit das Regenwasser ablaufen konnte. Das Badeweier-Projekt: Wir bauten einen Stau-Weiher am Krumbach, damit wir darin schwimmen konnten. Der Initiator war der Kraschenkini (Froschkönig) von der Bachgasse, und mein Schulfreund der Mai Fuß, Spitzname Papagei. Wir waren voller Elan. Das ging alles wunderbar — bis einige Keller unterwasser gesetzt wurden.

Im Winter: Schlitten und Ski auf der Schweinsweide. Da ich ein schlechter Skifahrer war und keine Kurven fahren konnte, ging es nur geradeaus — und alles was im Weg war, wurde zusammengerammt. Meistens war es ein Bretterverschlag. Dann nahm ich die Skier auf die Schulter und ging nachhause, um sie zu reparieren: Knochenleim, Blech aus einer Dose, Nägel. Wenn der Ski nass gemacht und unter die Kredenz gesteckt wurde, bog sich eine neue Spitze. Dann begann alles von vorne.

Der beste Abenteuer-Schlitten: Ein ausgedientes Fahrrad. Räder abmontiert, vorne in die Gabel einen Ski, hinten zwei Skier quer. Jeder auf der Piste wollte damit fahren.

Das entlaufene Pferd — eine Sonntagnacht in Großscheuern

An den Sonntagen machten wir unsere Schlittenfahrt auf der Straße, mit mehreren Schlitten aneinandergebunden — aber dafür brauchten wir ein Pferd. Also gingen wir in den Stall der Kollektiv­wirtschaft, suchten eines aus, nahmen das Geschirr aus der Kammer — und machten los. Das war eben so üblich.

Eines Sonntags wollte das Pferd nicht. Also half nur noch die Peitsche. Mit einem Ruck ging es dann endlich los — so dass es uns alle nach hinten schleuderte. Und dann rannten wir, vom Pferd gezogen, vom Stall aus in Richtung Hauptstraße, über die Betonbrücke nach Hahnbach, brauchten die ganze Straßenbreite, schleuder­ten hin und her — bis zum Transformator, wo uns schließlich der Tonch zum Stehen brachte. Wir wurden für diese Aktion nicht gerade gelobt. Wir haben es aber überlebt.

Das Jauche-Fass — Eine Katastrophe in der Nacht

Mein Vater beauftragte uns — den Roth Michael und mich — die Wiese auf dem Killogeurten mit Jauche zu düngen. Wir bekamen das Fuhrwerk vom Grunnen Moister und luden ein Eisenfass mit 1000 Liter Fassungsvermögen. Es dämmerte schon. Wir fuhren fast im Dunkeln Richtung Killogeurten.

Endlich angekommen, machten wir den Auslaufhahn auf — und dann passierte es. Das Vorderrad fuhr in ein tiefes Loch. Das volle Fass rollte vom Wagen herunter — in Richtung Dorf, in Richtung Wirtshaus des Nedelcu, das ungefähr 50 Meter tiefer lag.

Das Geräusch scheuchte die Pferde auf. Sie rannten mit voller Kraft mit dem kaputten Wagengestell — durch den engen Weg, an der Milchannahmestelle vorbei, rissen ein Loch in die Holzwand, dann 90 Grad nach rechts Richtung Hermannstadt, am Wirtshaus vorbei. Mein Onkel Drothler Simon versuchte sie aufzuhalten — und sprang im letzten Moment zur Seite.

Das Pferderennen, bei dem die Funken spritzten, ging weiter: über den Bachel herunter, eine Linkskurve, gradeaus, wieder eine Linkskurve — bis wir alle auf das Pferd warteten und es gemeinsam zum Stehen brachten. Die Pferde zitterten am ganzen Körper, voll Schaum.

Das Fass hatten wir Gott sei dank: Das Türl war aufgegangen, die Jauche lief bei der Rotation aus — und das Fass verlor an Gewicht, bis es in der Hecke beim Scheißhaus des Wirtshauses zum Stillstand kam. Sonst wäre auch noch der Abort zu Brüche gegangen.

Wir haben zwei Wochen lang gebaut, bis wieder alles in Ordnung war. Und der Gesprächsstoff im ganzen Dorf. Und als wir einen Monat später die Wiese mähten, sah man genau, wo das Fass die Jauche entleert hatte: Das Gras war um 20 cm höher.

✦ · ✦ · ✦
Das Brot-Unglück — Wenn der Laib nicht mehr durch die Tür passt

In dem kleinen Haus wohnten viele Personen — Oma, Opa, Maria, der Zägler und seine drei Kinder Anni, Susi und Giez. Ein Küchenherd und ein großer Backofen — in dem wurde alle 14 Tage Brot gebacken. Der Teig wurde einen Tag vorher geknetet: Mehl, Wasser, etwas Milch, gekochte Kartoffeln, Salz und Sauerteig, den man vom letzten Brotteig zurückgehalten hatte. Die Oma machte wie immer ein Kreuz auf jedes Brot.

Und dann passierte das Malheur: Die Brote im Ofen wurden immer breiter und breiter. Um Gottes willen — was ist da los? Die Brotleibe waren so breit, dass sie bei der Ofentür nicht mehr durchkonnten. Was machen wir da, Mai? „Na ja, ich weiß auch nicht mehr weiter." Also blieb nichts anderes übrig, als die Brote verbrennen zu lassen. Das war natürlich katastrophal, weil der Vorrat vom alten Brot erschöpft war.

Nach ein paar Tagen stiegen wir — mit dem Girlich Georg junior, der auch in Ingolstadt wohnt — in den Backofen, schlugen die verbrannten Brote auseinander (schneiden war nicht mehr möglich) — und so war die Tragödie zu Ende.

Der Nekscha — Flucht vor dem Frisör

Ich musste wieder einmal zum Nekscha, dem einzigen Frisör, der aus Hermannstadt ins Dorf kam. Das war jedesmal eine Tragödie — ich wollte ja lange Haare haben wie die Beatles und die Jungs aus Hermannstadt. Das war in unserer Familie nicht üblich.

Also musste ich mit meiner Mama hin. Nach langem Hin und Her stieg ich mit lauter Tränen auf den Frisörstuhl. Der Nekscha nahm seine Haarschneider-Rupfmaschine — und ich wartete auf den richtigen Moment: Als er sich zur Mama umdrehte, sprang ich vom Stuhl, ließ das weiße Laken fallen, rannte raus — nach rechts, Richtung Friedhof. Dort konnte ich mich gut hinter den Grabsteinen verstecken, bis es dunkel war.

Das war mir natürlich ein bisschen ungeheuer. Und so kam ich wieder nachhause — wo ich wie erwartet eine Lektion erhielt. Am nächsten Tag ging ich alleine wieder zum Nekscha, der mir nach dem Restschnitt die Ohren langgezogen hat — wegen seinem weißen Laken, das im Straßengraben dreckig geworden war.

Die Kirchenfenster — Ein Katapult und ein Pfarrer

Ich machte mir ein Katapult aus einem Astzweig, altem Gummischlauch und einem Stück Leder von einem alten Schuh — mit Draht fixiert. Es wurde auf alles gezielt, was zu erreichen war.

Eines Tages fand ich heraus, dass die Fensterscheiben der Sakristei — aus verschiedenen Farben mit Bleiverglasung — genau die ideale Zielscheibe für mich waren. Ich suchte Steine — die waren ziemlich rar in unserer Gegend — fand aber genug für alle Butzenscheiben. Meine zwei Hosentaschen waren voll. Ich legte los und traf eine Scheibe nach der anderen.

Der Klang der getroffenen Scheiben ertönte über den ganzen Schul- und Kirchhof, sodass der Pfarrer aus seinem Mittagsschlaf gerissen wurde — ausgerechnet bei der letzten Scheibe spürte ich seinen Griff an meinem Ohr.

Was dann die Belehrung war, kann sich jeder, der dieses Buch liest, denken.

✦ · ✦ · ✦
Musik — Die große Liebe meines Lebens

Als ich zu Weihnachten eine Blockflöte bekam und fleißig damit schon einige Musikstücke spielte, brachte mir mein Vater eine Es-Klarinette aus der Independenza (der früheren Rieger-Fabrik), wo er in der Werkskapelle spielte. Die Es-Klarinette hatte kein Mundstück — ich freute mich trotzdem. Ich nahm das Mundstück vom Euphonium meines Vaters und spielte so damit, legte einen Finger nach dem anderen auf die Klarinette.

Irgendwann nahm mich mein Vater zum Grau Michel (Honi genannt), der auch in der Werkskapelle spielte. Von dem bekam ich endlich das wohlerwünschte Mundstück — mit einem Klarinettenblatt, aber ohne Blattschraube. Das Blatt befestigten wir mit einer Manila-Schnur. Ich war glücklich und zufrieden. Dieses Instrument war mein täglicher bester Freund.

Der Honi wunderte sich über meine Spieltechnik — wie fortschrittlich ich schon von alleine war. Er zeigte mir noch ein paar Griffe — das war meine gesamte Ausbildung für mein Leben. Alles andere verdanke ich mir selbst.

Die Klarinette der Rosie — Ein Kauf, der Wochen dauerte

Beim Fuss Simon in den Gärten fand ich in der Truhe auf der Veranda eine alte B-Klarinette, die er von seinem Schwiegervater aus Urwegen hatte. Meine Augen strahlten als ich den Koffer öffnete — ich baute sie zusammen und spielte sofort.

Ich fragte die Frau vom Simon — die Rosie — ob sie die Klarinette verkaufen würde. Wir verblieben, nochmals darüber zu reden. Am nächsten Tag war ich wieder dort. Und am übernächsten. Und jeden Tag danach. Zwei Monate lang spielte ich täglich diese Klarinette — bis das Herz der Rosie brach. 100 Lei. Der Monatsverdienst eines Arbeiters war 800 Lei.

Meine Eltern waren nicht bereit, das Geld auszugeben. Also wagte ich es, meine Drothler Oma zu fragen, ob sie mir das Geld vorschießen würde, bis ich meines verdiene. Sie tat es. Endlich — nach ein paar Tagen — gingen wir beide zum Fuss Simon in die Gärten und kauften die Klarinette. Das war einer meiner schönsten Tage.

Ich weiß nicht, wie die Oma sich gerechtfertigt hat. Aber ihr war es wert.

Die Schülerband — Musik für das ganze Dorf

Aus der Flötengruppe — wir waren an die dreißig Schüler, in allen Ecken und Enden des Dorfes hörte man Flötentöne — wurde die Schülerband. An der Trompete Fuß Hans Paul und Girlich Georg vom Eisernen Tor; Baltes Hans und Grau Georg am Bassflügelhorn; Fuß Christian am B-Bass; Adem Hans Akkordeon; Helmut Gabel Schlagwerk; Werner Gabel; Drotleff Hans; Simon Guist — und ich mit der Klarinette.

Unser erster offizieller Auftritt: die Taufe vom Sohn des Fröhlich Michel. Wir spielten drei Stücke im Hof. Die Leute von den Bänken vor jedem Haus erhoben sich und öffneten ihre Straßentore. Wir bekamen Applaus. Und tanzten bis nach Mitternacht — so dass die Fenster aufgemacht werden mussten wegen dem Schwitzen der Tänzer. Wenn ich mich nicht irre, haben wir doch 100 Lei erhalten — obwohl wir das gar nicht wollten.

In den Proben mit den Philharmonikern spielte ich zwischen dem Kowalsky und dem Zappel — beiden hervorragende Klarinettisten. Denen schaute ich auf die Finger und ihre Spieltechnik. So lernte ich das, was ich heute noch kann: musizieren. Das Spielerische.

— Christian Felix Drothler
Die Taufe — Zwei Betrunkene unter dem Tisch

Ich wurde erst mit einem Jahr getauft, weil mein Vater beim Militär am Donaukanal über drei Jahre bleiben musste. Mein Cousin, der Zägler Giez, war schon zehn Jahre alt — ich hatte noch ein Suppenfläschchen mit einem Titzel-Säuger.

Mein Cousin hatte von dem Schnaps etwas in meine Saugflasche hineingefüllt — er hatte auch einiges von diesem Feuerwasser erwischt, sonst hätte er es ja nicht getraut. Und somit lagen wir beide unter dem Tisch — oder in dem Fall: unter der Tafel für alle Gäste, die zu meiner Taufe eingeladen waren. Alle wunderten sich, dass wir so fest eingeschlafen waren, die sonst immer Radau gemacht hatten — bis sie feststellten, dass wir besoffen waren.

Das Rätsel löste sich beim Richten an meiner Saugflasche.

✦ · ✦ · ✦
Meine Großeltern — Porträts
Christian Drothler — Großvater väterlicherseits
* 1891 Großscheuern  ·  † 1977 ebendort
Ein kleiner Mann, ein bisschen nach vorne gebeugt — so hat ihn Christian Felix immer in Erinnerung. Bauer mit Leib und Seele. Im Ersten Weltkrieg war er Meldereiter bei der Armee — mit seinem eigenen Pferd. Dieses Pferd erkannte die Gefahr: Wenn es stehenblieb und schnaufte mit aufgestellten Ohren, wusste der Großvater: Deckung! Das Pferd legte sich neben ihm auf den Boden und wartete. Irgendwann haben die Kugeln doch sein Pferd getroffen. Er hat darüber wenig geredet. Jeden Abend ging er in den Weinkeller und holte sich ein Depchen — eine emaillierte Blechtasse Wein — den er im Winter auf der Ofenplatte erwärmte. Er sagte immer: „Schau den alten Handwerkern auf die Finger — von denen kannst du was lernen."
Maria Guist — Großmutter väterlicherseits, „Die Milchfrau"
* 1895 Großscheuern  ·  † 1978 ebendort
Der wichtigste Mensch in Christian Felix' Kindheit. „Bei ihr fand ich mich geborgen und sicher. Wenn es Schwierigkeiten in der Familie gab, schützte sie mich soweit es nur ging. Sie war auch diejenige, die mich zu Bett gebracht hat und die mir die Füße und Zehen massiert hat und nebenbei eine Geschichte erzählt — nur so konnte ich einschlafen. Und das bis zu ihrem Tod."
Felix Fischer — Großvater mütterlicherseits, „Lizi-Opa"
* 12. März 1900 Hermannstadt  ·  † 5. Juni 1982 Hermannstadt
K&K-Offizier, später Oberst beim rumänischen Militär. Trat mit 45 Jahren ins Rentenalter. Hatte viel Zeit für seinen selbst gemachten Tabak, den er feingeschnitten auf Zeitungspapier unter den Schränken zum Trocknen aufbewahrte — und für Zigaretten drehte. Wenn Christian Felix zu Besuch war: Espresso mit der Handmühle, dann den Eismann am Fenster erwarten. Einen Lei hinunterwerfen — und Christian Felix rannte die Treppe hinunter. Dann saß er auf dem Schoß seines Opas, mit Papier und Stift, und sagte: „O-tata, zeichne mir ein Pferd mit einem großen Arsch" — und der Opa konnte das sehr gut.
Julie Friederike Drodtloff — Ur-Großmutter mütterlicherseits
* 22. September 1900 Hermannstadt  ·  † 1991 Burghausen, Bayern  ·  im Alter von 91 Jahren
Tochter des Kunstschlossers Viktor Drodtloff. Heiratete Felix Fischer 1923. Lebte die letzten Jahre in Burghausen, Bayern — begraben dort. Sie ist die Verbindung zwischen der Drodtloff-Linie (dem Verlagshaus-Namen) und der Fischer-Drothler-Linie.
Meine Eltern

Mein Vater, Christian Drothler, wurde 1929 in Großscheuern als Bauernsohn geboren. Nach dem Militärdienst, der drei Jahre dauerte, arbeitete er beim Rieger in Hermannstadt als Kranführer in der Kesselschmiede — bis zur Auswanderung 1979. Er spielte Horn bei der Philharmonie und war Mitglied der Werkskapelle.

Meine Mama, Fischer Edith, wurde 1928 in Hermannstadt als Oberst-Tochter geboren. Nach ihrer Ausbildung als Lehrerin beim Brukenthal-Gymnasium unterrichtete sie in Mühlbach und Leschkirch — und kam dann nach Großscheuern, wo sie meinen Vater kennenlernte. Sie war Lehrerin in der Deutschen Schule in Großscheuern.

Ich und meine Schwester Edith Susanne und unser verstorbener Bruder Heinz Erich sind in Hermannstadt geboren.

Heinz Erich Drothler
* 1968 Hermannstadt  ·  † 1972 Klausenburg, begraben in Großscheuern
Bruder von Christian Felix — verstorben im Alter von vier Jahren
id="bch4" class="book-chapter">
Kapitel IV

Barbaras Familie

Die Gröbmair & Pöckhl — Seit 1591 in Bayern

Barbara Feichtmair, die Mutter von Stephan und Franziska, bringt eine ebenso reiche Geschichte mit. Während die Drothlers aus Siebenbürgen kamen, sind Barbaras Wurzeln tief in Bayern — im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, im kleinen Weiler Geilertshausen. Eine Linie, die bis ins Jahr 1591 zurückverfolgt werden kann.

Die wichtigste Entdeckung — Ein echtes Familienfoto (1955)

Barbara und ihre Schwester Rosi fanden in einer veröffentlichten Ortschronik von Endlhausen ein echtes Familienfoto: Valentin Gröbmair, Bürgermeister von Endlhausen 1929–1974, mit seiner Frau Crescenz und allen fünf Kindern — darunter Barbara Gröbmair (geb. 1936), Barbaras Mutter. Aufnahme 1955. Sie war 19 Jahre alt. Dieses Foto ist das älteste bekannte Bild der Gröbmair-Familie.

Valentin Gröbmair — Bürgermeister 45 Jahre
* 19. August 1901  ·  † 26. März 1974  ·  Bürgermeister von Endlhausen 1929–1974
Ein Leben voller Prüfungen und Würde: Unehelich geboren. Mutter starb, als er fünf war. Stiefmutter mit sechs. Vater starb 1916, als er fünfzehn war — er stand allein auf dem Hof. Mit 28 Jahren zum Bürgermeister gewählt. 45 Jahre ununterbrochen im Amt. Heiratete Crescenz Aichler am 27. Februar 1933. Fünf Kinder, darunter Barbara — Mutter unserer Barbara Feichtmair.
1591
Familie Pöckhl auf dem Hof in Geilertshausen — bayerisch-salzburgisches Geschlecht. Erster Nachweis auf dem Melcherbauernhof. Beginn von 238 Jahren auf demselben Hof.
~1600
Bau des Melcherbauernhofs — das Holzhaus steht noch heute. Offiziell geschütztes Baudenkmal D-1-73-120-42: „zweigeschossiger Blockbau mit Flachsatteldach, umlaufender Balusterlaube, frühes 17. Jahrhundert."
1649
Melchior Pöckhl heiratet Elisabeth (wahrsch. Jungwirt), Pfarre Deining. Nach ihm heißt der Hof für immer Melcherbauer. Sein Name lebt 375 Jahre nach seinem Tod weiter.
1699
Bau des Getreidestadls — „bezeichnet mit 1699", amtlich bestätigt im Bayerischen Denkmalbuch. Noch immer in der Pöckhl-Linie.
26. Oktober 1829
Joseph Gröbmair (* 1800 † 1871) heiratet Maria Liebhard, Nichte der letzten Pöckhl-Erbin. Der Name Gröbmair kommt auf den Hof. 238 Jahre Pöckhl enden. Die Gröbmair-Ära beginnt.
1901
Valentin Gröbmair (unehelich) wird geboren. Sein Leben: von Not zu Würde. 45 Jahre Bürgermeister.
1936
Barbara Gröbmair wird geboren — Tochter des Bürgermeisters, Mutter unserer Barbara Feichtmair.
1963
Barbara Feichtmair wird geboren — in Deining, Bad Tölz-Wolfratshausen. Sie heiratet Christian Felix Drothler und verbindet die siebenbürgische Drothler-Linie mit der bayerischen Gröbmair-Pöckhl-Linie.

Die Feuerwehrchronik von Endlhausen vermerkt: „Valentin Gröbmair aus Geilertshausen (1913–1916)" als Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr — noch vor seiner Zeit als Bürgermeister. Und nach ihm: Kaspar Gröbmair als Kommandant (1927–1962). Die Gröbmairs waren die Familie des Dorfes.

Noch heute ist in der Ortsdatenbank ein Gröbmair Valentin in Geilertshausen, Nr. 1 verzeichnet — wahrscheinlich ein Nachkomme, der den Hof noch immer bewohnt. Der Melcherbauernhof, erbaut um 1600, steht noch.

id="bch5" class="book-chapter">
Kapitel V

Unsere Generation

Christian · Stephan · Franziska

Drei Kinder von Christian Felix Drothler. Zwei Mütter. Zwei Kontinente. Ein Name — und eine Geschichte, die achthundert Jahre zurückreicht. Hier sind wir.

Christian Drothler
* 28. März 1983  ·  Altötting, Bayern  ·  Mutter: Helga Drexler

In einer Familie voller bemerkenswerter Menschen ist Christian Drothler der erste, der die Grenzen Europas hinter sich ließ und in der Neuen Welt eine Heimat und einen Erfolg aufbaute, den seine Vorfahren sich nicht hätten vorstellen können.

Er wurde in Altötting, Bayern geboren — in der Stadt, aus der auch seine Großmutter Julie Friederike stammte. Das Blut der Siebenbürger Sachsen, der Pferdeflüsterer und der Kunstschlosser von Hermannstadt floss in ihm. Und er trug es über den Atlantik.

In den Vereinigten Staaten von Amerika — in Greenville, South Carolina — baute er sich ein erfolgreiches Leben auf. Als Business Unit Leader bei First Quality Tissue in Anderson, South Carolina, trägt er die volle operative Verantwortung für einen Produktionsbereich eines der größten Haushaltsprodukteunternehmen der USA — mit über 5.000 Mitarbeitern und acht Standorten in Nordamerika. Er führt mehrere Teams, verantwortet Sicherheit, Qualität, Produktion und Personalentwicklung, koordiniert abteilungsübergreifend und treibt eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung und Exzellenz voran.

Christian ist außerdem ein Early Adopter der Kryptowährung — er erkannte das Potenzial digitaler Assets früh, bevor sie Mainstream wurden. Ein Weitblick, der durch seine Familiengeschichte geprägt ist: Großscheuerner Sachsen pflegten stets zu wissen, was kommt, bevor es alle wussten. Parallel gründete er eine eigene Real Estate Photography-Firma und vermietet über Airbnb.

Er bereiste die Welt — Costa Rica, Kroatien, Bayern, die Philippinen — stets mit der Kamera, immer auf der Suche nach Schönheit und Tiefe. Sein Glaube trägt ihn. Sein Urgroßvater pflügte Felder in Großscheuern. Sein Großvater bediente einen Kran in Hermannstadt. Sein Vater emigrierte mit 25 Jahren nach Bayern. Und er — Christian Drothler — wurde ein erfolgreiche Führungspersönlichkeit in Amerika.

Von Großscheuern nach Greenville. Acht Jahrhunderte, ein Name, eine Reise ohne Ende.

Verheiratet mit Rebecca Dodson (geb. 3. Oktober 1968, Bellefontaine, Ohio, USA — die einzige Amerikanerin in 519 Familienmitgliedern), die am 12. Februar 2020 verstarb. In liebevoller Erinnerung.

Stephan Heinz Drothler
* 5. Oktober 1993  ·  Altötting, Bayern  ·  Mutter: Barbara Feichtmair
Halbbruder von Christian. Trägt den Namen Drothler in Bayern weiter. Siebenbürgische und bayerische Wurzeln in einer Person — ein Kind zweier Welten.
Franziska Drothler
* 22. Januar 1996  ·  Burghausen, Bayern  ·  Mutter: Barbara Feichtmair
Die jüngste Trägerin des Namens Drothler. Geboren in Burghausen — bekannt für die längste Burganlage der Welt. Halbschwester von Christian, jüngste der drei Geschwister.
Rebecca Dodson Drothler
* 3. Oktober 1968, Bellefontaine, Ohio, USA  ·  † 12. Februar 2020
Die einzige Amerikanerin im Stammbaum. Ehefrau von Christian. In liebevoller Erinnerung.
id="bch6" class="book-chapter">
Kapitel VI

Der Stammbaum

519 Menschen  ·  183 Familien  ·  1737–2023

Was Christian Felix Drothler für seine Kinder und Kindeskinder zusammengestellt hat, ist einzigartig: ein vollständiger Stammbaum von 519 Personen aus sechs Generationen, verteilt über Rumänien, Deutschland, die Tschechische Republik, Australien und Amerika.

Der Stammbaum in Zahlen

519 dokumentierte Personen  ·  183 Familieneinheiten  ·  6+ Generationen

Zeitspanne: 1737 (ältester Nachweis) bis 2023 (jüngste Geburt im Baum: Bastian Gierlich, 2. Februar 2012 in Ingolstadt)

Häufigste Nachnamen: Guist (52), Feichtmair (27), Drothler/Drotleff (20), Fuss (20), Kautz (14), Depner (13), Grau (13)

Länder: Deutschland, Rumänien, Tschechische Republik, USA, Australien

Der Name Guist: Einer der seltensten Namen der Welt — 1 von 5,9 Millionen Menschen trägt ihn. Der Stammbaum mit 52 Guists ist vermutlich die vollständigste Dokumentation dieser Familie weltweit.

Die Gefallenen — In Memoriam
Simon Fuss
* 1891 Großscheuern  ·  † Erster Weltkrieg
Simon Guist
* 1. Dezember 1901 Großscheuern  ·  † Februar 1947, Russland
Wahrscheinlich Deportierter in einem sowjetischen Zwangsarbeitslager — eines von 75.000 Siebenbürger Sachsen
Michael Buchholzer
* 10. März 1909  ·  † 1943, Odessa, Ukraine
Georg Guist & Simon Hartmann
† Im Zweiten Weltkrieg gefallen
Zwei Wurzeln — Eine Familie

Der Stammbaum zeigt ein faszinierendes Muster: Die Drothlers, Guists, Kautz, Depner und Zackel sind ursprünglich siebenbürgisch-sächsisch. Die Feichtmairs aus Ebertshausen und die Fegers aus Deisenhofen sind aus Bayern selbst. Wenn Christian Felix Drothler heiratet, verbinden sich zwei völlig verschiedene Migrationslinien — die Deutschen, die im 12. Jahrhundert nach Siebenbürgen zogen, und die Deutschen, die immer in Bayern geblieben waren.

Und mit der Geburt von Christian Drothler (1983, Altötting) beginnt eine dritte Linie: Amerika. Der erste Drothler, der in die Neue Welt aufbrach — und dort erfolgreich wurde. Sein Urgroßvater pflügte in Großscheuern. Sein Vater baute einen Stammbaum. Er baute ein Leben in den USA.

Wo Ihr Euch noch informieren könnt

Die Forschung ist nicht vorbei — sie hat gerade erst begonnen. Diese Quellen helfen weiter:

HOG Großscheuern Ingolstadt — siebenbuerger.de/ortschaften/grossscheuern — der Heimatverein hat ein vollständiges Familienbuch von Großscheuern. Kontaktperson für Genealogie: Hans-Martin Gräf. Im Vorstand sitzen mehrere Guist-Familienmitglieder — eure direkten Cousins.

Brigitte Drodtloff — Filmregisseurin, München und Hermannstadt, mit Wurzeln in der Hermannstädter Drodtloff-Linie. Wahrscheinlich eine entfernte Cousine. Zugänglich über ihre Filmfirma in Hermannstadt (gegründet 2021).

Kirchenburgen-Stiftung — kirchenburgen.org/en/location/grossscheuern-sura-mare — historische Fotos und Dokumente zur Großscheuerner Kirche.

Sibiu County Archive — für Viktor Drodtloffs Werkstatt in der Bachgasse 11, Daniel Drodtloffs Seminar-Verwaltung an der Schewisgasse 32, und alle Tauf-, Heirats- und Sterbebücher von Großscheuern.

HOG Hetzeldorf — hetzeldorf.org — für die Welther-Linie. Hans-Egon Welther ist stellvertretender Vorsitzender.

Weiterforschung — Diese Quellen helfen

HOG Großscheuern Ingolstadt — siebenbuerger.de — vollständiges Familienbuch von Großscheuern, geführt von Hans-Martin Gräf. Im Vorstand sitzen Guist-Familienmitglieder: direkte Cousins.

Brigitte Drodtloff — Filmregisseurin, München und Hermannstadt, mit Wurzeln in der Hermannstädter Drodtloff-Linie. Wahrscheinlich eine entfernte Cousine. Gründete 2021 eine Filmfirma in Hermannstadt.

Kirchenburgen-Stiftung — kirchenburgen.org — historische Fotos und Dokumente zur Großscheuerner Kirche. Gratis zugänglich.

Sibiu Kreisarchiv — für Viktor Drodtloffs Werkstatt (Bachgasse 11), Daniel Drodtloffs Seminar-Verwaltung (Schewisgasse 32) und alle Kirchenbücher von Großscheuern bis ins 17. Jahrhundert.

Pfarrarchiv Endlhausen / Staatsarchiv München — für die Bestätigung von Melchior Pöckhl (1649) und den Hofnamen „Melcherbauer" an Geilertshausen 1.

HOG Hetzeldorf — hetzeldorf.org — für die Welther-Linie im Stammbaum.

Die Familie Drothler · Kapitel VI — Der Stammbaum